Wissen für Entscheidungsprozesse – Ansätze zu einer dialogisch-reflexiven Schnittstellenkommunikation zwischen Wissenschaft und Politik

Ein BMBF-Forschungsprojekt im Rahmen der
Förderinitiative “Wissen für Entscheidungsprozesse”


Das Verhältnis zwischen wissenschaftlicher Expertise und politischer Entscheidung scheint zunehmend paradox: Einerseits ist Politik aufgrund der voranschreitenden Verwissenschaftlichung vieler Lebensbereiche mehr und mehr auf wissenschaftliches, aber auch gesellschaftlich umsetzbares Wissen angewiesen. Andererseits sieht sich Wissenschaft vor dem Hintergrund inflationärer risikogesellschaftlicher Debatten einem Autoritäts-, Vertrauens- und Legitimationsverlust ausgesetzt. Die zunehmende Bedeutung von wissenschaftlichem Wissen lässt auch Ungewissheiten und Nicht-Wissens-Bereiche, die mit diesem verbunden sind, immer deutlicher hervortreten. Dieser Trend stellt die Kommunikation zwischen den gesellschaftlichen Bereichen Politik und Wissenschaft vor neue Herausforderungen.

In unserem Projekt geht es darum, exemplarisch im Bereich Agrarpolitik / Agrarforschung nach neuen Ansätzen des Dialoges und der Schnittstellenkommunikation zu suchen. Im Zuge einer stärkeren politischen Gewichtung von Umwelt-, Tierschutz- und Verbraucherinteressen (“Agrarwende”) stellen sich drei Fragen: Wie können sich der politische Prozess und die Forschung für diese neuen Anliegen öffnen? Inwieweit nehmen die Formen der Wissenserzeugung und der Wissenskommunikation dabei stärker reflexive, dialogische und transdisziplinäre Herangehensweisen auf? Und welchen Beitrag leisten diese offeneren Formen der Wissenserzeugung und -kommunikation, um Unsicherheiten, Folgeprobleme und Risiken der Politikgestaltung in einem so komplexen Handlungsfeld wie der Landwirtschaft gerecht zu werden?

Mithilfe von Dokumentenanalysen und Experteninterviews sollen folgende Problembereiche bearbeitet werden:

  • Die wissenschaftsinterne Verarbeitung der Skandaldiskurse und der „Agrarwende“-Programmatik in der Agrarforschung (Modul A): Dabei geht es um die Frage, inwieweit sich hier Umstrukturierungen (in Richtung höhere Risiko- und Folgensensibilität, Öffnung gegenüber gesellschaftlichen Problemwahrnehmungen) ergeben haben und welche – diskursiven und institutionellen – Faktoren und Akteurskonstellationen dies begünstigen.
  • Neue, reflexive Formen der Politikberatung bzw. der Schnittstellenkommunikation zwischen der Agrarforschung und dem politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess auf Bundesebene (Modul B) und auf Länderebene (Modul C). Im Mittelpunkt stehen Veränderungen des institutionellen Settings, der Akteursnetzwerke und der diskursiven Rahmung des agrarpolitischen Meinungsbildungssystems. Auf der Länderebene wird, mit stärkerem Fokus auf die Umsetzungsebene, ein Vergleich zweier Bundesländer und ihrer Kommunikationsmuster mit einerseits Forschung und andererseits nachgeordneten Behörden erfolgen.
  • Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse werden neue Wege der Kooperation zwischen Wissenschaft, Politik und den Fachbehörden ausgelotet, entsprechende Qualitätskriterien erarbeitet und darauf bezogene adressaten- und kontextspezifische Optimierungsmodelle entwickelt (Modul D).

Graphische Darstellung des Projektvorhabens:

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Das Projekt wird von der Münchner Projektgruppe für Sozialforschung e.V. in Zusammenarbeit mit dem Forschungsschwerpunkt Biotechnik, Gesellschaft und Umwelt der Universität Hamburg, dem Institut für Ökologischen Landbau an der Universität für Bodenkultur Wien und Interface – Institut für Politikstudien Luzern durchgeführt.


Literatur und Materialien des Projektes

  • Ergebnisbroschüre Kurzfassung: Kropp, Cordula / Schiller, Frank / Wagner, Jost / Sträter, Detlev (2007): Agrarwissenschaftliche Expertise an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik: Möglichkeiten und Grenzen des Wissensaustauschs. München. [download als pdf: 780 kb]
  • Ergebnisbroschüre Langfassung: Kropp, Cordula / Schiller, Frank / Wagner, Jost (2007): Agrarwissenschaftliche Expertise an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik: Möglichkeiten und Grenzen des Wissensaustauschs. München. [download als pdf: 886 kb]
  • Kropp, Cordula / Schiller, Frank / Wagner, Jost (2007): Die Zukunft der Wissenskommunikation. Perspektiven für einen reflexiven Dialog von wissenschaft und Politik – am Beispiel des Argarbereichs. Berlin: Edition Sigma. [Fyler mit Inhaltsverzeichnis: 383kb]
  • Kurzdarstellung des Projektes [Download: 133 kB]
  • Programm der Tagung “Neue Formen der Kommunikation zwischen (Agrar-)Wissenschaft und Politik” 04./05. Februar 2005 Internationales Begegnungszentrum der Wissenschaft München [Download: 219 kB]
  • Kropp, Cordula: Zukunft des Wissens. Vortrag auf dem 3. Delfi Workshop “Zukunft des Wissens: eine transdisziplinäre Diskussion über den Aufbruch in die Wissensgesellschaft” am Institut für neue Medien Frankfurt/M 4./5.6.2005 [Download Folien: 115 kB]
  • Wagner, Jost: The Claim for Reflexive Interface-Communication and its Institutional Destiny. Vortrag gehalten auf dem 6th Open Meeting of the Human Dimension of Global Enviromental Change Research Community, Bonn 9.-13. Oktober 2005. [Download Folien: 57 kb]
  • Sachstandsbericht für das Jahr 2005 [Download: 83 kB]

  • Laufzeit des Projektes:01.04.2004 – 31.03.2007
  • Projektleitung und -koordination:Dr. Cordula Kropp
  • Projektmitarbeiter an der MPS: Dr. Frank Schiller, Jost Wagner

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