Beck, G. / Meissner, S. (2010): Strukturierung und Vermittlung von heterogenen (Nicht-)Wissensbeständen in der Risikokommunikation. in: Sieglerschmidt, J. & Ohly, H.P., 2010. Wissensspeicher in digitalen Räumen: Nachhaltigkeit, Verfügbarkeit, semantische Interoperabilität 1. Aufl., Ergon Verlag.
Abstract
Die rasante wissenschaftlich-technische Entwicklung birgt neben Chancen auch Risiken. Ein zunehmender Anteil dieser Risiken fällt unter die Kategorie „systemischer Risiken“. Vermutete Risiken von Novel Food, Elektrosmog, Nanotechnologie und andere Themen werden kontrovers diskutiert. Dabei kann die Wissenschaft ihre Beratungsfunktion in Form eines Leistungsversprechens gegenüber Politik und Öffentlichkeit immer weniger erfolgreich einlösen – zu groß ist die Heterogenität der (Nicht-)Wissensbestände. Das hat zur Folge, dass sowohl für Individuen als auch für Politik gesichertes Entscheidungswissen immer seltener verfügbar sein wird. Trotzdem müssen auf allen Ebenen (sowohl individuell als auch global) weiterhin Entscheidungen getroffen werden; Entscheidungen unter den Bedingungen von Ungewissheit.
Vor diesem Hintergrund steht die Risikokommunikation vor der Frage, wie heterogenes Wissen und Nichtwissen über systemische Risiken vermittelt werden kann. Unsere These ist, dass sich Risikokommunikation aus der Einbahnstraßenkommunikation “Experten belehren Laien„ verabschieden muss. Nur eine integrative Risikokommunikation, die Wissensbestände nicht a priori sortiert, kann den aktuellen Risikokontroversen gerecht werden. Wir möchten mit dem Ansatz der “internetbasierten Visualisierung von Risikokontroversen„ einen Beitrag zu einer adäquateren Risikoerschließung und Risikokommunikation leisten.